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"Das vernetzte Wohnzimmer ist aktuell Thema Nummer 1 in der Unterhaltungsbranche."

Interviewfragen an Stefanie Lüdecke, Mitglied der Geschäftsführung von ProSiebenSat.1 Digital

1.  Stefanie, du bist jetzt ein halbes Jahr im Unternehmen. Wie war der Status Quo in deinem Bereich als du gekommen bist und wie ist er heute?

Als ich im im August 2017 hier angefangen habe, war das RedButton Portal schon in einem soliden Zustand und entwickelte sich positiv gegenüber dem Vorjahr – allerdings noch mit Luft nach oben. Besonders ist mir das kleine und hochmotivierte Team aufgefallen, das mit viel Engagement und Sachverstand den noch jungen Kanal HbbTV aufgebaut und bereits erste „kreative Erfahrungen“ mit interaktiven Zuschauer-Aktionen gemacht hat.

Da sind wir dann tiefer eingestiegen und haben verschiedene Bereiche unter die Lupe genommen: Wie bewegt sich der Nutzer und welche Inhalte konsumiert er? Umfangreiche Onsite-Analysen haben gezeigt, dass unser aktuelles RedButton Portal durch seinen webseitenähnlichen Aufbau zwar viel Content unterbringt, das Navigieren mit der klassischen Fernbedienung für den Nutzer am „Big Screen“ aber schwierig ist. Das führt dazu, dass viele Nutzer auf ein Video klicken, sich danach aber wieder schnell verabschieden und kaum anderen Content nutzen. Das Angebot heute animiert also leider nicht zum Verweilen. Das möchten wir natürlich ändern! Unser Ziel: Das Portal für den Nutzer zu verbessern und den Service massentauglich zu machen. Denn nur so werden wir unserem Anspruch gerecht, das HbbTV Red Button Portal in die tägliche Nutzung unserer Zuschauer zu bringen und damit zu einem wichtigen Daten Enabler für Addressable TV Targeting zu machen.

2. Und wie setzt ihr das konkret um?

In der Praxis sieht so das aus: Wir packen unsere Produktideen in verschiedene Prototypen und testen sie im „Labor“ sowie auch im Livesignal. Elementare Bestandteile unserer Neuausrichtung sind dabei der interaktive Newsfeed, der dem Zuschauer einen Parallelkonsum von linearem TV und digitalen Nachrichten und Services ermöglicht. Und eine Channel-Bar, die unsere eigenen Mediathekeninhalte sowie auch Content von Drittanbietern in verschiedenen Themen-Channels bündelt. Das Interessante: Der Content wird dabei personalisiert ausgespielt - sprich: Es erscheinen jeweils die Inhalte, die für den Nutzer wirklich relevant und interessant sind. Damit haben wir wieder eine „lean-back“ Situation erzeugt und erfüllen genau das, was der Zuschauer in der HbbTV Welt sucht: Entspanntes Entertainment mit Sendungen, die ganz nach seinem Geschmack sind. Und unser Trumpf ist, dass der Zuschauer nicht mehr wegzappt, sondern in unserem Universum bleibt – egal, ob er lineare oder digitale Inhalte konsumiert. 

 
3. Klingt nach viel Analysearbeit. Wie viele seid ihr eigentlich im Team? Und wie seid ihr thematisch aufgeteilt?

Unser Team besteht aus dreizehn festen Mitarbeitern sowie neun Trainee, Praktikanten und Werkstudenten. Aufgeteilt ist es in die Bereiche Produkt & Marketing, Redaktion & Content sowie Engeneering.

4. Stefanie, warum ist das Thema HbbTV für ProSiebenSat.1 eigentlich so wichtig? Welche strategische Relevanz hat es im Konzern?

Eine hohe – und zwar auf verschiedenen Ebenen. Denn wir wollen ja die Transformation von einem klassischen TV-Unternehmen zu einem Digitalkonzern weiter vorantreiben. Das heißt unter anderem, dass wir an der Devise „Content anytime, anywhere“ nicht nur festhalten, sondern sie auch konsequent ausbauen. Die Herausforderung ist ja, alle denkbaren Nutzerszenarien abzubilden, Stichwort „Omnichannel Entertainment“.

Also egal, wo sich Zuschauer befinden, sie sollen überall Zugang zu Unterhaltung und Informationen haben. Zum Beispiel online, wenn sie vor dem PC sitzen. Mobil, wenn sie unterwegs sind. Und über HbbTV, wenn sie sowieso schon auf der Couch sitzen und nun gerne Sendungen on top oder aktuelle Nachrichten abrufen möchten. HbbTV ist die Technologie mit der wir über den RedButton die Möglichkeit haben, das Fernseherlebnis noch zu vertiefen. Es ist bequem, passiert ganz ohne Medienbruch und mit nur einem Device in der Hand, nämlich der Fernbedienung.

Große Relevanz hat das Thema auch in punkto Vermarktung: HbbTV ist die technische Basis für Addressable TV, eines unserer strategischen Wachstumsfelder. Schließlich liefern die mit dem Internet verbundenen TV-Geräte die Grundlage für eine sehr gezielte Aussteuerung von Werbung - etwa nach Postleitzahlenbereichen, Zielgruppen oder Mediennutzungsverhalten. Das ist natürlich als zusätzliches Angebot zur klassischen TV-Werbung höchst attraktiv für unsere Werbekunden. Und ein attraktives HbbTV/RedButton-Angebot, das von noch mehr Zuschauern aktiv genutzt wird, führt letztendlich auch zu höheren Reichweiten für Addressable TV Kampagnen. Aber auch für uns tun sich neue Dimensionen auf: Als vollständig vernetztes Unternehmen wären wir nun in der Lage, für die Produkte unseres eigenen eCommerce Portfolios ein optimales, kommerzielles Vermarktungsumfeld zu schaffen.

5. Denkst du, dass interaktives Fernsehen das Fernsehen der Zukunft ist?

„Zukunft“ hört sich immer so weit weg an. Für diese Frage brauche ich gar keinen Blick in die Glaskugel zu werfen, sondern schaue mir die gegenwärtigen Fakten an.

Das vernetzte Wohnzimmer ist aktuell Thema Nummer 1 in der Unterhaltungsbranche. Und HbbTV ist die Technik, die die Online- und Fernsehwelt miteinander verbindet. Smart-TVs sind der ungebrochene Trend bei neuen Geräten und in Deutschland bereits in jedem zweiten Haushalt zu finden. Auch die Awareness für den Red Button steigt Umfragen zufolge bei den TV-Zuschauern immer mehr. Warum? Weil unsere Angebote als Service angesehen werden, die das Fernsehprogramm gut ergänzen. Für jeden zweiten Connected-TV Nutzer ist HbbTV ein Muss beim Kauf eines TV-Gerätes, bei den HbbTV-Nutzern sind es 71%, die auf diese Funktionalität nicht mehr verzichten wollen. Und mehr als die Hälfte aller TV-Zuschauer ist überzeugt, dass HbbTV an Bedeutung gewinnen wird. Bei denjenigen, die mit HbbTV schon Erfahrungen gesammelt haben, sind es sogar 70%. Ein klares Indiz dafür, dass die Zukunft des Fernsehens bereits begonnen hat.

6. Was nutzt du am liebsten, wenn es um Entertainment und Information geht?

Das kommt bei mir sehr auf die Situation an. Morgens lese ich die Webangebote verschiedener Nachrichtenanbieter – aus alter Verbundenheit gehört SPIEGEL ONLINE für mich immer dazu. Am Abend bin ich meist ein linearer Zuschauer, der sich gerne berieseln lässt –also so richtig lean-back. Damit ich genügend Zeit mit meiner Familie und Freunden habe, plane ich am Wochenende genauer, was ich wann anschaue. Und den Klassiker gibt´s natürlich auch: Bei schlechtem Wetter versammelt sich die ganze Familie vor dem Fernseher und wir suchen uns einen Film aus oder schauen ein paar Folgen unserer Lieblingsserie. Meine persönlichen Lieblings-Serien sind „Breaking Bad“ und „Der Tatortreiniger“.

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